Die Bewegung und ihr Fotograf

von Irene Jung

Michael Ruetz ist kein "roter Großvater", aber ihm kommen Printmedien heute kaum vorbei, wenn sie Fotos von den "68ern" brauchen: Kein anderer hat die Studentenbewegung in ihrem Epizentrum Berlin von 1967 bis 1969 so akribisch und aus solcher Nähe mit der Kamera begleitet. Seine Schwarzweißfotos zeigen die überfüllten Teach-Ins, entnervte Professoren, die Wasserwerfer und Ho-Tschi-Minh-Plakate, das wandzeitungsdekorierte Chaos im Büro des "Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS); die Kommune I mit Rainer Langhans und dem clownesken Provokateur Fritz Teufel. Und immer wieder den "Bestseller" der 68er – Rudi Dutschke.

Ruetz fotografierte aber auch die andere Seite: die mal empörten, mal amüsierten Gesichter von Berliner Passanten beim Anblick der Demonstranten; alte SPD-Mitglieder mit Protestschildern gegen die Notstandsgesetze; einen Polizisten, der mit den Armen sein Gesicht schützt; SED-Junelaufmärsche in Ostberlin.

Die APO und Berlin bedingten sich gegenseitig, sagt Ruetz heute: In dieser Stadt mit vielen Milieus und zwei Systemen prallten Antikommunismus und Antiamerikanismus direkt aufeinander, die Bevölkerung war sich ihrer Frontstadtlage sehr bewußt. Für die "Massen" wollte die APO sprechen – nur wurden die Massen nicht gefragt. "Die APO kannte die Berliner nicht", so Ruetz.

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Quelle: Hamburger Abendblatt